Obwohl der Name „Blindschleiche“ suggeriert, dass diese Tiere blind sind, ist dies ein weitverbreiteter Irrtum. Blindschleichen (Anguis fragilis) besitzen tatsächlich kleine, rote Augen mit Augenlidern und können sehen. Ihre Augen sind vergleichsweise klein und unauffällig, was möglicherweise zu dem Missverständnis beigetragen hat. Der Name „Blindschleiche“ stammt ursprünglich vom altdeutschen Begriff „plintslicho“, was so viel wie „blendende“ oder „glänzende Schleiche“ bedeutet. Der Name bezieht sich also auf ihr glänzendes Äußeres und nicht auf eine angebliche Blindheit.

Merkmale der Blindschleiche

Die Blindschleiche ist eine Echsenart und gehört zur Familie der Schleichen. Sie ist eines der am häufigsten vorkommenden Reptilien in Mitteleuropa und kann eine Gesamtlänge von bis zu 57 cm erreichen, wobei die meisten Exemplare jedoch nur eine Länge von etwa 45 cm erreichen. Ihr Körper ist langgestreckt und schuppenbedeckt, wobei die Schuppen eine glatte und glänzende Oberfläche aufweisen, die je nach Lichteinfall in verschiedenen Farben schimmert. Dieser schimmernde Effekt trägt zu ihrem „blendenden“ Aussehen bei, was ebenfalls zur Namensgebung beigetragen haben könnte.

Blindschleichen sind oft mit Schlangen verwechselt, da sie wie diese keine sichtbaren Beine besitzen. Sie unterscheiden sich jedoch durch einige wesentliche Merkmale von Schlangen: Blindschleichen haben bewegliche Augenlider und können, im Gegensatz zu Schlangen, blinzeln. Zudem haben sie kleine Ohröffnungen und einen abgerundeten Kopf.

Lebensweise und Ernährung

Die Blindschleiche ist eine relativ scheue Echsenart, die vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv ist. Sie bevorzugt Lebensräume wie Waldränder, Hecken, Gärten, und Wiesen, wo sie sich tagsüber unter Steinen, Holzstapeln oder dichtem Laub versteckt. Blindschleichen ernähren sich hauptsächlich von Nacktschnecken, Regenwürmern und unbehaarten Raupen. Zum erweiterten Beutespektrum gehören jedoch auch Asseln, Heuschrecken, Käfer, Blattläuse, Ameisen und kleine Spinnen. Ihre Beute ortet sie mit ihrem feinen Geruchssinn, indem sie ihre Zunge wie eine Schlange einsetzt, um chemische Partikel aus der Luft aufzunehmen.

Überwinterung und Fortpflanzung

In den kälteren Monaten überwintern Blindschleichen in frostsicheren Verstecken, die sich häufig unter der Erde befinden. Diese Verstecke werden oft von den Tieren selbst gegraben oder in bereits vorhandenen, natürlichen Höhlungen genutzt. Dabei verschließen sie die Eingänge mit Erde oder Moos, um sich vor Kälte zu schützen. Die Überwinterung findet oft in kleinen bis größeren Gruppen statt, was den Tieren zusätzliche Wärme bietet.

Die Fortpflanzung der Blindschleichen erfolgt im Frühjahr, kurz nach dem Winterschlaf. Nach einer Tragezeit von etwa drei Monaten bringen die Weibchen im Spätsommer lebende Jungtiere zur Welt – ein Merkmal, das sie von vielen anderen Reptilien unterscheidet, die Eier legen. Die jungen Blindschleichen sind sofort selbstständig und beginnen direkt nach der Geburt, ihre Umgebung zu erkunden und auf Nahrungssuche zu gehen.

Blindschleichen und der Mensch

Blindschleichen sind für den Menschen völlig harmlos und sogar nützlich, da sie viele Insekten und andere Schädlinge fressen, die in Gärten und Feldern Schaden anrichten könnten. Trotzdem sind sie oft Opfer von Missverständnissen und Vorurteilen, die zu unnötiger Angst oder sogar zu ihrem Tod führen können.

In Deutschland und anderen europäischen Ländern sind Blindschleichen durch das Bundesnaturschutzgesetz geschützt, was bedeutet, dass sie nicht gefangen, getötet oder ihr Lebensraum zerstört werden darf. Ihre Bestände sind zwar noch weitgehend stabil, aber sie sind durch den Verlust von Lebensräumen und die Zerstörung von Unterschlupfmöglichkeiten gefährdet.

Blindschleichen – das Fazit

Blindschleichen sind faszinierende, kleine Reptilien, die mit einigen Missverständnissen zu kämpfen haben. Trotz ihres Namens sind sie nicht blind, sondern hochangepasste Überlebenskünstler, die sich in den vielfältigsten Lebensräumen behaupten können. Durch ihre Lebensweise und ihre Rolle im Ökosystem verdienen sie es, geschützt und geschätzt zu werden.

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