Es ist schlichtweg falsch, dass Adolf Hitler die ersten deutschen Autobahnen bauen ließ. Tatsächlich wurde die erste deutsche Autobahn bereits vor Hitlers Machtergreifung eröffnet. Diese Straße führte von Köln nach Bonn und wird heute als A 555 bezeichnet. Der feierliche Eröffnungstermin war der 6. August 1932, einige Monate bevor Hitler die Macht in Deutschland übernahm. Zu dieser Zeit spielte Hitler in der politischen Landschaft noch keine Rolle, die ihn in Verbindung mit dem Bau der Autobahnen bringen könnte.
Konrad Adenauer: Der wahre Pionier der Autobahnen
Ein oft übersehener Akteur in der Geschichte der deutschen Autobahnen ist der damalige Oberbürgermeister von Köln, Konrad Adenauer. Adenauer, der später zum ersten Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland werden sollte, war maßgeblich an der Planung und dem Bau der Autostraße Köln-Bonn beteiligt. Diese Strecke wird von vielen als Vorläufer der modernen Autobahnen betrachtet. Adenauer erkannte schon früh das Potenzial moderner Verkehrswege und setzte sich für den Bau einer Straße ein, die ausschließlich für den motorisierten Verkehr gedacht war. Insofern könnte man eher ihn als Adolf Hitler als den eigentlichen „Autobahn-Pionier“ bezeichnen.
Die Idee der Autobahnen: Bereits in den 1920er Jahren geboren
Die Vorstellung, dass die Autobahnen eine Erfindung der Nationalsozialisten waren, ist nicht korrekt. Bereits in den 1920er Jahren wurden die ersten Pläne für den Bau von Autobahnen entwickelt. Die Idee, ein Netz von Straßen zu schaffen, das ausschließlich dem motorisierten Verkehr vorbehalten sein sollte, entstand in einer Zeit, als Hitler politisch noch unbedeutend war. In diesen Jahren wurde die Grundlage für das spätere Autobahnnetz gelegt. Der Gedanke, den Bau der Autobahnen auch zur Arbeitsbeschaffung zu nutzen, war ebenfalls keine Erfindung der Nationalsozialisten. Bereits in der Weimarer Republik wurde diskutiert, wie der Straßenbau zur Bekämpfung der hohen Arbeitslosigkeit beitragen könnte.
Die Autobahnpropaganda des Nationalsozialismus
Als Hitler 1933 an die Macht kam, erkannte er schnell das propagandistische Potenzial des Autobahnbaus. Die Nationalsozialisten stellten sich als die eigentlichen Erfinder und Förderer der Autobahnen dar. Hitler präsentierte den Ausbau des Autobahnnetzes als Symbol für die Leistungsfähigkeit und den Fortschritt des Dritten Reiches. In der Realität waren jedoch viele der Konzepte und Pläne für den Autobahnbau bereits vor seiner Herrschaft entwickelt worden. Trotzdem gelang es den Nationalsozialisten, das Bild Hitlers als Schöpfer der Autobahnen in den Köpfen der Menschen zu verankern. Diese geschickte Propaganda führte zu dem weit verbreiteten Irrtum, dass Hitler die ersten Autobahnen gebaut habe.
Der Bau der Autobahnen wurde unter den Nationalsozialisten jedoch massiv ausgeweitet. Das Autobahnnetz wuchs schnell, und es wurden tausende Kilometer neue Straßen gebaut. Dieses Bauprojekt war ein wesentlicher Bestandteil der nationalsozialistischen Arbeitsbeschaffungsprogramme. Die Propaganda stellte den Autobahnbau als wichtigen Beitrag zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und als Zeichen für den wirtschaftlichen Aufschwung dar. Doch auch hier ist es wichtig zu betonen, dass die Idee, Autobahnen zur Arbeitsbeschaffung zu nutzen, bereits in der Weimarer Republik diskutiert wurde.
Adenauers Autostraße: Keine echte Autobahn?
Eine wichtige Klarstellung betrifft jedoch den Begriff „Autobahn“. Die von Adenauer initiierte Straße zwischen Köln und Bonn war nach heutigem Verständnis streng genommen keine Autobahn. Um als Autobahn zu gelten, muss eine Straße unter anderem einen Mittelstreifen oder Fahrbahnteiler besitzen, um den Verkehr in zwei Richtungen zu trennen. Die ursprüngliche Autostraße zwischen Köln und Bonn verfügte nicht über einen solchen Fahrbahnteiler, weshalb sie offiziell keine Autobahn war. Stattdessen handelte es sich um eine moderne Autostraße, auf der nur Kraftfahrzeuge zugelassen waren – eine damals revolutionäre Neuerung. Es war erst der Ausbau in den 1950er Jahren, der die Straße zu einer echten Autobahn machte, wie wir sie heute kennen.
Diese Definition ist auch ein Grund, warum andere Projekte, wie zum Beispiel Mussolinis Autostradas in Italien, nicht als eigentliche Autobahnen bezeichnet werden können. Auch sie fehlten die Merkmale, die eine echte Autobahn ausmachen.
Hitler war nicht der erste Autobahnbauer
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der weit verbreitete Irrtum, Adolf Hitler habe die ersten deutschen Autobahnen bauen lassen, auf eine geschickte Propagandastrategie der Nationalsozialisten zurückgeht. Tatsächlich wurden die ersten Pläne für Autobahnen bereits in den 1920er Jahren entwickelt, und die erste moderne Autostraße in Deutschland, die Strecke zwischen Köln und Bonn, wurde 1932, also noch vor Hitlers Machtergreifung, eröffnet. Konrad Adenauer war der maßgebliche Treiber hinter diesem Projekt, auch wenn seine Straße nach heutiger Definition keine vollwertige Autobahn war. Hitler und sein Regime nutzten den Autobahnbau zwar massiv zur Selbstdarstellung, doch die Ursprünge dieser modernen Verkehrswege liegen bereits vor der Zeit des Nationalsozialismus.




