Lange Zeit war das Laden und Entladen von Akkus eine Wissenschaft für sich. Besonders ältere Akkutypen, wie Nickel-Cadmium-Akkus, hatten spezifische Ladeanforderungen. Man glaubte, dass Akkus immer vollständig auf- und entladen werden mussten, um ihre maximale Kapazität zu bewahren. Doch diese Vorstellung hat sich mit der Entwicklung neuer Technologien verändert. Insbesondere bei modernen Lithium-Ionen-Akkus gibt es einige wesentliche Unterschiede, die es zu beachten gilt.

Der Memory-Effekt: Ein Relikt der Vergangenheit

Der sogenannte Memory-Effekt war ein großes Problem bei Nickel-Cadmium-Akkus (NiCd). Diese Akkus, die früher in vielen elektronischen Geräten verwendet wurden, konnten sich sozusagen „merken“, wie viel Energie sie beim letzten Ladevorgang abgegeben haben. Wenn sie vor dem erneuten Aufladen nur teilweise entladen wurden, speicherten sie diese teilweise Entladung als neuen Standard. In der Praxis bedeutete dies, dass der Akku nur noch so viel Energie abgab, wie er beim letzten Ladevorgang verbraucht hatte, was die tatsächliche Kapazität des Akkus im Laufe der Zeit reduzierte. Um dieses Problem zu vermeiden, wurde empfohlen, NiCd-Akkus vollständig zu entladen, bevor sie wieder aufgeladen wurden.

Heute sind Nickel-Cadmium-Akkus weitgehend veraltet. Sie wurden durch modernere Akku-Typen wie Nickel-Metallhydrid-Akkus (NiMH) und vor allem Lithium-Ionen-Akkus (Li-Ion) ersetzt, die in den meisten unserer elektronischen Geräte zu finden sind, von Smartphones über Laptops bis hin zu Elektroautos. Bei diesen modernen Akkus existiert der Memory-Effekt nicht mehr, was viele Menschen dazu veranlasst hat, ihre Ladegewohnheiten zu überdenken.

Lithium-Ionen-Akku: Der neue Standard Akku

Lithium-Ionen-Akkus haben in den letzten Jahren eine erhebliche Verbreitung gefunden und sind heute der Standard in fast allen tragbaren elektronischen Geräten. Sie haben viele Vorteile gegenüber älteren Akkutypen, darunter eine höhere Energiedichte, geringeres Gewicht und keine Anfälligkeit für den Memory-Effekt.

Trotz ihrer Vorteile haben auch Lithium-Ionen-Akkus spezifische Anforderungen, um ihre Lebensdauer zu maximieren. Eine weit verbreitete Annahme ist, dass diese Akkus regelmäßig vollständig auf- und entladen werden müssen. Dies ist jedoch nicht der Fall. Tatsächlich kann das ständige vollständige Entladen von Lithium-Ionen-Akkus deren Lebensdauer verkürzen.

Die optimale Ladezone: 40 bis 80 Prozent

Studien haben gezeigt, dass Lithium-Ionen-Akkus am besten funktionieren, wenn sie nicht vollständig aufgeladen oder entladen werden. Untersuchungen haben ergeben, dass es ideal ist, den Akkustand zwischen 40 und 80 Prozent zu halten. In diesem Bereich bleibt der Akku stabil und wird nicht unnötig belastet, was die Lebensdauer des Akkus verlängern kann. Wenn ein Akku regelmäßig auf 100 Prozent aufgeladen und dann bis auf 0 Prozent entladen wird, kann dies zu einem schnelleren Verschleiß führen.

Der Grund dafür liegt in der chemischen Struktur der Lithium-Ionen-Akkus. Jedes Mal, wenn der Akku geladen und entladen wird, finden chemische Reaktionen statt, die langfristig die Kapazität des Akkus beeinträchtigen können. Durch das Vermeiden von extremen Ladezuständen – also sowohl dem vollen Aufladen als auch der kompletten Entladung – lässt sich der chemische Abbau verlangsamen.

Weitere Tipps zur Pflege von Lithium-Ionen-Akkus

Neben dem Halten des Ladezustands zwischen 40 und 80 Prozent gibt es noch weitere Maßnahmen, die dazu beitragen können, die Lebensdauer eines Lithium-Ionen-Akkus zu maximieren. Ein wichtiger Faktor ist die Temperatur. Lithium-Ionen-Akkus reagieren empfindlich auf extreme Temperaturen. Hohe Hitze kann den chemischen Zerfall beschleunigen und die Kapazität verringern, während sehr niedrige Temperaturen die Leistung des Akkus vorübergehend reduzieren können. Es ist daher ratsam, Geräte mit Lithium-Ionen-Akkus nicht in direktem Sonnenlicht oder in sehr kalten Umgebungen zu lagern oder zu verwenden.

Auch das Laden über Nacht sollte vermieden werden. Obwohl die meisten modernen Geräte über intelligente Ladefunktionen verfügen, die das Aufladen bei Erreichen von 100 Prozent stoppen, verbleibt das Gerät oft in einem Zustand des „Erhaltungsladens“, was auf Dauer den Akku schädigen kann. Es ist besser, das Gerät vom Ladegerät zu trennen, sobald der Ladezustand 80 Prozent erreicht hat, um die Langlebigkeit des Akkus zu erhöhen.

Der Akku: die richtige Pflege für eine längere Lebensdauer

Die Annahme, dass Akkus immer vollständig auf- und entladen werden müssen, ist heute bei modernen Lithium-Ionen-Akkus überholt. Der Memory-Effekt, der bei älteren Nickel-Cadmium-Akkus auftrat, existiert bei modernen Akkus nicht mehr. Stattdessen sollte man darauf achten, den Akkustand zwischen 40 und 80 Prozent zu halten, um die Lebensdauer zu maximieren.

Zusätzlich ist es ratsam, auf extreme Temperaturen zu achten und das Laden über Nacht zu vermeiden. Mit diesen einfachen Maßnahmen lässt sich die Lebensdauer eines Lithium-Ionen-Akkus erheblich verlängern und die Leistung über einen längeren Zeitraum auf einem hohen Niveau halten.

Teile diesen Irrtum