Ein weit verbreiteter Irrtum im Fußball ist, dass ein Schuss, der an den Pfosten oder die Latte geht, als Torschuss gewertet wird. Viele Fans und sogar einige Experten sind der Meinung, dass ein solcher Schuss, da er so knapp am Tor vorbei geht, automatisch als Torschuss in die Statistik eingeht. Doch dies ist nicht korrekt, und die Definitionen von Pfostenschuss und Torschuss sind in den Regeln des Fußballs deutlich voneinander getrennt.
Pfostenschuss vs. Torschuss – die Definition
Ein Torschuss wird im Fußball nur dann als solcher gezählt, wenn der Ball in Richtung des Tores geht und theoretisch ohne weitere Einwirkung von Außen ins Tor gelangen würde. Das bedeutet, dass der Ball auf direktem Weg ins Netz fliegen muss. Wird der Schuss jedoch vom Pfosten oder der Latte abgefälscht und bleibt anschließend im Spiel, zählt dieser nicht als Torschuss. Ein Torschuss kann also auch ein Schuss sein, der gehalten oder abgewehrt wird, solange er auf das Tor gezielt ist.
Anders verhält es sich bei einem Pfostenschuss: Ein Schuss, der den Pfosten oder die Latte trifft und danach ins Spielfeld oder ins Aus zurückprallt, gilt laut der Statistikdefinition nicht als Torschuss. Der Grund dafür ist einfach: Ein Schuss, der das Aluminium trifft, war – trotz seiner Nähe zum Ziel – nicht präzise genug, um auf direktem Weg ins Tor zu gelangen. Daher werden solche Schüsse in der offiziellen Statistik der meisten Fußballligen und -verbände nicht als Torschüsse gewertet, sondern als sogenannte “Pfostenschüsse” oder “Lattenkracher” in einer eigenen Kategorie aufgeführt.
Pfostenschüsse in der Bundesliga
Pfostenschüsse sind im Fußball keine Seltenheit und gehören zu den aufregendsten und frustrierendsten Momenten des Spiels. Für den Schützen und seine Fans ist der Frust oft groß, wenn ein vielversprechender Angriff nur knapp am Ziel vorbeigeht. Die Spieler, die ein solches Ereignis erleben, fühlen sich oft vom “Pech” verfolgt, und auch in den Medien wird häufig von unglücklichen Momenten gesprochen, wenn die Latte oder der Pfosten getroffen werden.
Ein besonders hartes Beispiel für Pech in dieser Hinsicht ist die Mannschaft von RB Leipzig in der Bundesligasaison 2022/2023. Die Spieler des Vereins trafen insgesamt 16 Mal das Aluminium, was sie zur Mannschaft mit den meisten Pfostenschüssen in dieser Saison machte. Diese Häufung von Pfostenschüssen lässt vermuten, dass Leipzig häufiger das Aluminium traf als viele andere Teams, was möglicherweise den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage in einigen Spielen ausmachte.
Pfostenschüsse bei internationalen Turnieren
Auch auf internationaler Ebene gibt es Teams, die von Pfostenschüssen besonders hart getroffen werden. Ein Beispiel ist die deutsche Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 2022 in Katar. In den ersten drei Spielen des Turniers hatte Deutschland 69 Torschüsse, die meisten aller teilnehmenden Mannschaften zu diesem Zeitpunkt. Dabei trafen die deutschen Spieler fünfmal das Aluminium – ebenfalls der höchste Wert unter allen Teams des Turniers. Diese Statistik zeigt, wie nah die deutsche Mannschaft oft daran war, ein Tor zu erzielen, und wie sehr der Pfostenschuss in diesen Fällen eine Rolle spielte.
Ein knappes “Fast-Tor” ist nicht immer ein Torschuss
Die Differenzierung zwischen Pfostenschüssen und Torschüssen mag auf den ersten Blick klein erscheinen, hat aber große Bedeutung für die Bewertung eines Spiels. Sie verdeutlicht, dass Präzision im Fußball alles ist: Ein Schuss, der das Aluminium trifft, mag beeindruckend aussehen, aber für die Statistiker zählt nur das, was tatsächlich auf das Tor geht. Pfostenschüsse sind Momente, die Fans und Spieler gleichermaßen begeistern oder frustrieren können, sie bleiben jedoch in den offiziellen Statistiken als das, was sie sind: unvollendete Torschüsse.




