Die Oktoberrevolution von 1917 ist eines der bedeutendsten Ereignisse der modernen Geschichte und markierte den Beginn der Sowjetherrschaft in Russland. Viele Menschen glauben, dass die Revolution, die als „Oktoberrevolution“ bekannt ist, tatsächlich im Oktober stattfand. Doch dies ist ein weitverbreiteter Irrtum, der auf den Kalenderreformen des 20. Jahrhunderts basiert. In Wirklichkeit fand die Revolution nach dem heute gebräuchlichen Kalender im November statt. Der Grund für diese Verwirrung liegt in der Diskrepanz zwischen dem damals verwendeten Julianischen Kalender und dem heute geltenden Gregorianischen Kalender.
Unterschied zwischen Julianischem und Gregorianischem Kalender
Um den Ursprung des Irrtums zu verstehen, ist es wichtig, den Unterschied zwischen dem Julianischen und dem Gregorianischen Kalender zu kennen. Der Julianische Kalender, benannt nach Julius Caesar, wurde im Jahr 45 v. Chr. eingeführt und war über viele Jahrhunderte der Standardkalender in Europa und weiten Teilen der Welt. Im 16. Jahrhundert jedoch erkannte die katholische Kirche, dass der Julianische Kalender aufgrund einer ungenauen Berechnung des Sonnenjahres langsam von den tatsächlichen Jahreszeiten abwich. Deshalb führte Papst Gregor XIII. im Jahr 1582 den Gregorianischen Kalender ein, um diese Abweichung zu korrigieren.
Dieser neue Kalender setzte sich in Westeuropa schnell durch, doch in Russland, das von der orthodoxen Kirche dominiert wurde, hielt man noch lange am Julianischen Kalender fest. Im Jahr 1917, als die Oktoberrevolution stattfand, war der Julianische Kalender im zaristischen Russland noch in Gebrauch. Der Unterschied zwischen den beiden Kalendersystemen betrug zu diesem Zeitpunkt 13 Tage.
Wann fand die Oktoberrevolution wirklich statt?
Die eigentlichen Ereignisse der Oktoberrevolution, bei der die Bolschewiki unter der Führung von Lenin die Provisorische Regierung Russlands stürzten, begannen in der Nacht vom 25. auf den 26. Oktober 1917 – nach dem Julianischen Kalender. Nach dem heute verwendeten Gregorianischen Kalender war es jedoch der 7. und 8. November 1917. Obwohl die Revolution also nach unserem heutigen Verständnis im November stattfand, blieb die Bezeichnung „Oktoberrevolution“ bestehen.
Warum wurde die Bezeichnung nicht angepasst? Dies lässt sich vor allem durch die symbolische Bedeutung des Begriffs erklären. Die „Oktoberrevolution“ stand als Gegenstück zur Februarrevolution, die wenige Monate zuvor im Februar 1917 (nach Julianischem Kalender) oder im März (nach Gregorianischem Kalender) stattgefunden hatte und zur Abdankung von Zar Nikolaus II. führte. Die Bolschewiki betrachteten den Oktober als den entscheidenden Moment der Revolution, in dem sie die Macht endgültig an sich rissen. Die Begriffe „Februarrevolution“ und „Oktoberrevolution“ waren fest verankert in der Geschichtsschreibung und Propaganda der Sowjetunion, weshalb keine Anpassung der Bezeichnungen an den neuen Kalender erfolgte.
Der Mythos der Oktoberrevolution
Die Oktoberrevolution hat bis heute einen festen Platz im kollektiven Gedächtnis, und viele Menschen verbinden das Ereignis fälschlicherweise mit dem Oktober. Dies liegt auch daran, dass der Begriff „Oktober“ im politischen und kulturellen Kontext eine starke symbolische Bedeutung hat. Der „Rote Oktober“ wurde zu einem zentralen Mythos der Sowjetunion und stand für den triumphalen Sieg der Bolschewiki und den Beginn einer neuen Ära. In der sowjetischen Geschichtsschreibung und Propaganda wurde die Oktoberrevolution als der entscheidende Moment des Klassenkampfes dargestellt, was die symbolische Bedeutung des Monats Oktober weiter verstärkte.
Es ist jedoch wichtig, zwischen der historischen Realität und der symbolischen Bedeutung zu unterscheiden. Historisch gesehen fand die Revolution im November statt, doch symbolisch bleibt der Oktober der Monat, der mit dem Sieg der Bolschewiki assoziiert wird.
Kalenderkonflikt und historische Genauigkeit
Die Verwirrung um den Zeitpunkt der Oktoberrevolution zeigt, wie historische Ereignisse durch kulturelle, politische und kalendarische Faktoren verfälscht werden können. Der eigentliche Ablauf der Geschichte wird oft von solchen Missverständnissen überlagert. Dennoch hat der Name „Oktoberrevolution“ aufgrund seiner historischen und symbolischen Bedeutung bis heute Bestand.




