In der breiten öffentlichen Wahrnehmung ist Wolfgang Amadeus Mozart als einer der größten Komponisten der Geschichte bekannt. Doch viele Menschen wissen nicht, dass der berühmte Name Wolfgang Amadeus in dieser Form erst viel später populär wurde. Der tatsächliche Taufname des Komponisten war viel länger und unterschied sich stark von der bekannten Version. Mozarts vollständiger Taufname lautete: Johannes Chrysostomus Wolfgangus Theophilus Mozart. Dieser komplexe Name zeigt die Tradition der Namensgebung im 18. Jahrhundert und spiegelt die verschiedenen kulturellen Einflüsse jener Zeit wider.
Die Bedeutung der Taufnamen: Theophilus statt Amadeus
Mozarts Taufname ist voller religiöser und kultureller Bezüge. Der Name Johannes Chrysostomus bezieht sich auf den Heiligen Johannes Chrysostomus, dessen Namenstag am Tag von Mozarts Geburt, dem 27. Januar, gefeiert wurde. Der zweite Name, Wolfgangus, war der lateinische Name für Wolfgang, der später zum Rufnamen des Komponisten wurde. Der dritte Name, Theophilus, stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Gott liebend“ oder „Freund Gottes“. Dies war eine übliche Wahl für Taufnamen in katholischen Familien jener Zeit.
Das Interessante an der Namensgeschichte Mozarts ist die Verbindung zwischen den Namen Theophilus und Amadeus. Während Theophilus aus dem Griechischen stammt, ist Amadeus die lateinische Übersetzung desselben Namens. Beide Namen bedeuten im Kern dasselbe: „Gott lieben“ oder „von Gott geliebt“. Trotz dieser Ähnlichkeit nutzte Mozart in seinen Erwachsenenjahren selten den Namen Amadeus. Vielmehr bevorzugte er die französische Version seines Namens und unterschrieb meist als Wolfgang Amadé.
Wolfgang Amadé: Die bevorzugte Namensform von Mozart
Als Mozart älter wurde und als Komponist zunehmend an Bekanntheit gewann, begann er, seine Werke und Briefe zumeist mit Wolfgang Amadé zu signieren. Diese französische Variante von Theophilus bzw. Amadeus war zu jener Zeit gängig, da Französisch die Sprache der oberen Gesellschaftsschichten und der Höfischen Kultur war. Die Wahl von Amadé statt Amadeus zeigt Mozarts Vorliebe für die französische Sprache und seine internationale Ausrichtung als Musiker, der nicht nur in Österreich und Deutschland, sondern auch in Frankreich und Italien großen Erfolg hatte.
Interessanterweise nutzte Mozart den Namen Amadeus nur selten und meist aus Spaß oder in einem ironischen Kontext. Es gibt Berichte, dass er den Namen in scherzhaften Briefen verwendete oder in Momenten, in denen er seine humorvolle Seite zeigen wollte. Der Name Amadeus, wie wir ihn heute kennen, war also zu Mozarts Lebzeiten eher eine Nebensache und kein integraler Bestandteil seiner Identität.
Die Popularisierung von „Amadeus“ im 20. Jahrhundert
Die Namenskombination Wolfgang Amadeus wurde erst im 20. Jahrhundert weltweit bekannt und akzeptiert. Dies geschah vor allem durch die Rundfunkanstalten und Plattenfirmen, die Mozart als „Wolfgang Amadeus Mozart“ präsentierten. Diese Form des Namens war eingängiger und wurde schnell zur Standardversion. Die Popularität des Namens „Amadeus“ wurde zusätzlich durch kulturelle Einflüsse gefördert, insbesondere durch das Theaterstück und den Film „Amadeus“ aus dem Jahr 1984, der auf Mozarts Leben basierte und weltweit ein großer Erfolg war.
Ein weiterer bedeutender Faktor bei der Verbreitung des Namens „Amadeus“ war der deutsche Schriftsteller und Komponist Ernst Theodor Amadeus Hoffmann. Ursprünglich hieß er Ernst Theodor Wilhelm Hoffmann, änderte aber seinen dritten Vornamen aus Bewunderung für Mozart in Amadeus. Diese Geste trug zur Legendenbildung um den Namen bei und half, ihn im kulturellen Bewusstsein zu verankern.
Mozart und die Namensvielfalt
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der berühmte Komponist Mozart nicht von Geburt an Wolfgang Amadeus hieß, sondern den Namen Theophilus als dritten Vornamen trug. Während er selbst sich oft als Wolfgang Amadé bezeichnete, wurde die heute bekannte Namensform Wolfgang Amadeus Mozart erst lange nach seinem Tod populär. Diese Entwicklung zeigt, wie historische Figuren oft durch kulturelle Mythen und spätere Interpretationen geformt werden. Der Name Amadeus, der heute untrennbar mit Mozarts Vermächtnis verbunden ist, war zu seinen Lebzeiten lediglich eine von vielen Möglichkeiten, wie er sich selbst nannte – und oft war dies mit einem Augenzwinkern verbunden. Mozarts Namensgeschichte verdeutlicht, dass selbst bei einer so berühmten Persönlichkeit wie ihm nicht alles so eindeutig ist, wie es auf den ersten Blick scheint.




